10 Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören – Teil 3

Im vorherigen Teil ging es um die konkrete Vorbereitung des Rauchen-Aufhörens:

1. Willensbildung, 2. Krücke besorgen 3. Anfang vom Ende

Die folgenden Tipps, die mir beim Rauchen aufhören geholfen haben,  sind schnell erzählt, aber deshalb nicht weniger hilfreich.

4. Kein fremder Zwang

Der sorgsam aufgebaute Wille, nicht zu Rauchen, ist entscheidend, nicht äußerliche Zwänge. Also ist eines enorm wichtig, auch und gerade in den ersten Tagen, wenn der Verzicht auf seine Zigarette doch arg beutelt:

Nämlich durchaus rauchen zu können.

Wie jetzt? Konkret: Ich habe in den ersten Wochen und Monaten, vor allem in den ersten Tagen meiner Rauchentwöhnung meine Utensilien (bei mir Tabak inkl. Zubehör) im Haus gehabt, sorgsam in der Küche verwahrt. Unterstützt von meinem Nikotinpflaster am Arm öffnete ich ab und an  die Tür des Küchenschranks, schnüffelte den Tabakgeruch und schloss sie wieder. Ich hätte also jederzeit rauchen können, aber ich wollte ja nicht. Mir hat es sehr geholfen, mich als selbstbestimmtes Wesen zu erleben, das nach seinem eigenen Kopf, nicht nach irgendwelchen Zwängen oder Verboten lebt.  Im gleichen Sinne wirkte auch, dass ich Rauchern nicht aus dem Weg gegangen bin, sondern nach dem Motto agierte: „Rauch ruhig in meiner Gegenwart, ich könnte ja auch, aber ich will ja nicht.“ Das hat im Übrigen auch eine gewisse Toleranz gegenüber anderen Rauchern erhalten.

5.  Hände beschäftigen

Man hat ja  anfangs ohne Glimmstengel in den Händen ständig das Gefühl, „nichts“ zu tun – ob beim Lesen, Fernsehen, Telefonieren, Kaffee trinken u.s.w. Es fehlt halt was! Bei mir als selbst Zigaretten drehende Vielraucherin war dieses Gefühl besonders ausgeprägt. Also suchte ich Beschäftigung, die mich ablenkte und meine Hände in Aktion hielt. Es war ja Adventszeit, und so machte ich das 1. Mal einen Adventskranz komplett selbst (vom Zweige um den Rohling schlingen bis zum Bekleben der Kerzen mit kleinen Sternchen).

Als das erledigt und Arme und Hände von den Tannenzweigen zerkratzt waren, mümmelte ich Sonnenblumenkerne, von denen die Schalen abzuknibbeln waren. Es gehen auch Pistazien oder Nüsse. So waren die Momente in sitzender Tätigkeit deutlicher ausgefüllter. Abzuraten ist von kleinen Videospielen, bei denen nach dem Verlust sämtlicher „Leben“ das Verlangen nach einer Frust-Zigarette unendlich wächst. Diese Spiele sollten erstmal in der Schublade verschwinden.

6. Neue Rituale einführen

Ich erwähnte ja bereits einmal, dass es vorrangig die „dusseligen Gewohnheiten“ sind, die einen am Anfang fast umhauen. Für den gewohnten Griff zur Zigarette gilt es Ersatz zu finden.

Einen Tee zur Entspannung trinken, wenn man das vorher nicht getan hat… na ja….. Pistazien essen anstatt eine Rauchen nach dem Essen, eine Runde um den Block drehen anstatt ein Wein und die Zigaretten am Abend und ähnliches. Malen? Sport? Möglich… aber alles schwer und quälend. Das erfordert Ausdauer.

Und Achtung: Ich hatte Mühe mit der Kalorienfalle, ich habe damals sehr auf Gummibärchen gesetzt, rückblickend wegen des hohen Zuckeranteils nicht zu empfehlen.

Was ich bis heute beibehalten habe: Die Länge einer Zigarette als feste Zeiteinheit definieren. „Rauchen wir noch eine und dann gehen wir!“ Das sag ich heute sogar zu meinem Hund.

7. Das bereits Erreichte schätzen

Nach einer gewissen Weile hilft es, die bereits überstandene Zeit der Entbehrungen, und sei sie noch so kurz, wertzuschätzen. Man überlege sich: „Wenn ich jetzt wieder rauche, sind die ‚Quälereien‘ der letzten Stunden, Tage, Wochen umsonst!“ Wer will das schon? Also – durchhalten!

8. Nach einem Rückfall nicht gleich aufgeben

Zweimal musste ich mir selbst diesen Tipp verordnen: Einmal hat es mich vom Küchenschrank auf den Balkon getrieben (puh, war das kalt und ungemütlich, das war Strafe genug für meine halbe Zigarette am 2. Tag). Das 2. Mal nach ca. sechs Wochen war Karneval mit viel Bier und einer Zigarette zu vorgerückter Feierstunde. Ich hab den Rückfall am nächsten Tag ignoriert. War was? Denn – dann wäre ja alle Quälereien der vorhergehenden Wochen „perdu“ gewesen, wer will das schon?

9. Sich belohnen

Schön Essen gehen, feine Klamotten kaufen, mit netten Menschen plaudern, anstatt draußen auf dem Balkon eine zu quarzen – da hat sicher jeder seine eigenen Belohnung, die ihm gut tut. Mein Onkel, der nach langen Jahren des Rote-Hand-Rauchens aufhören musste, hat bis zu seinem Lebensende täglich 5 DM (später 3 Euro) ins Spar-Kistchen gelegt – davon ist er dann immer in Urlaub gefahren.

10. Sich nie als Nichtraucher betrachten

Nun, so lange man noch weiß, wie lange die letzte Zigarette zurück liegt, ist man ohnehin mehr Raucher als Nicht-Raucher. Wer sagen kann „Seit 7 Monaten, 2 Wochen und 3 Tagen rauch´ ich nicht mehr“, ist immer noch mitten im Prozess der Raucherentwöhnung. Es wird jeden Tag darüber nachgedacht, von der Selbstverständlichkeit weit entfernt. Etwas sicherer kann man sein, wenn man nicht mehr jeden Tag sein Raucher-Sein oder Nicht-Sein wahrnimmt – da verliert die Zigarette langsam ihren „Schrecken“.

Im Sinne der Nachhaltigkeit kann ich einem echten ehemaligen Raucher nur raten: Fühle Dich niemals als Nichtraucher!  Lass es, auch wenn Du vielleicht denkst, och, jetzt kann ich doch mal eine, nur eine, rauchen, ist doch so gemütlich gerade, und dann vielleicht nur eine pro Woche, später pro Tag…. es geht nicht gut, irgendwann werden wieder Päckchen gekauft und das alte Level holt einen wieder ein.

Ich glaube fest daran: Nach nur einer Zigarette schalten die uralten Synapsen wieder auf „on“ und die vergessen geglaubten Belohnungssysteme des Nervensystems springen an.  Also: Ich nuckele heut nicht mal an einer Shisha, auch mit harmlosem Minze- oder Kirschgeschmack – das ist mir zu riskant.

Denn es soll einem keiner erzählen: „Rauchen aufhören, nichts leichter als das.“  Es ist furchtbar, aber es geht!

 

 

3 Kommentare zu „10 Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören – Teil 3“

  1. Ich hatte vor 12 Jahren eine ernste Erkrankung, die einen Krankenhausaufenthalt von 35 Tagen einschloss. Vorher noch starker Raucher, warf ich Tabak, Blättchen und alles andere weg. Zuerst hatte ich Angst vor einem Rueckfall, heute kann ich Rauch nicht mehr riechen:-)

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